03.05.2018

Heilen statt abtreiben

Ungeborene Kinder mit der genetischen Krankheit der ektodermalen Dysplasie wurden bisher meist abgetrieben. Ein Ärztetermin der Universitätsklinik Erlangen meldete am 26. April die weltweit ersten erfolgreichen Therapieversuche.

Bei der ektodermalen Dysplasie bilden sich im Körper des Kindes keine Schweissdrüsen. Betroffene Kinder können nicht schwitzen und drohen an einer Überhitzung zu sterben. Die blassen Kinder fallen auch mit spitzen, ungewöhnlich gestellten Zähnen auf. Ausgelöst wird die bisher unheilbare Krankheit durch das Fehlen des Proteins Ektodysplasin A1 (EDA1) im Mutterleib. Eines von 30'000 Kindern ist von der Krankheit betroffen. Bisher wurden die meisten abgetrieben.

Ein Ärzteteam um Prof. Dr. Holm Schneider und Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher von der Universitätsklinik Erlangen wollte sich damit nicht abfinden. Nach jahrzehntelanger Vorarbeit hatte die Verabreichung des EDA1-Proteins bei Neugeborenen nicht zur Entwicklung von Schweissdrüsen geführt. „Nach ausführlichen Abwägungen und Beratungen mit dem klinischen Ethikkomitee des Uni-Klinikums Erlangen wurde die 26. Schwangerschaftswoche als frühestmöglicher Zeitpunkt für eine Injektion festgesetzt“, beschreibt die Klinik den Schritt, in Absprache mit den Eltern bei drei Kindern das EDA1 in die Fruchtblase zu spritzen. „Die ungeborenen Kinder schluckten das Protein mit dem Fruchtwasser und nahmen es über ihren Darm in den eigenen Blutkreislauf auf.“ Bei allen drei Kindern bildeten sich Schweissdrüsen und wurde das Zahnproblem stark vermindert.

Hoffnungsträger

Mit dieser Forschungstätigkeit bringt das Ärzteteam eine neue Hoffnung für betroffene Paare und deren zukünftigen Kinder. Seinem Engagement, auch behinderten ungeborenen Kindern Hoffnung und Leben zu gewähren, gab Prof. Dr. Holm Schneider auch als Redner am Marsch für das Leben 2016 in Berlin Ausdruck: „Erbgesundheit darf nicht höher stehen als das Recht auf Leben, ohne das jedes andere Recht wertlos ist.“ Der Einsatz für das Recht auf Leben verbindet sich also mit Forschung auf höchstem Niveau, um Menschen in schwierigen Lebensumständen zusätzliche Hoffnung zu verleihen.

Der Bericht der Universitätsklinik Erlangen: www.kinderklinik.uk-erlangen.de/aktuelles/nachrichten/detail/weltweit-erste-erfolgreiche-therapieversuche-bei-erbkrankheit-ektodermale-dysplasie/

Die gesamte Studie in Englisch als pdf zu kaufen: www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1714322

Rede von Prof. Dr. Holm Schneider von der Universitätsklinik Erlangen am Marsch für das Leben in Berlin 2016: www.youtube.com/watch?v=DBSI9ZEzY7E